Interview: Storytelling in Business, Menschenkenntnis und Persönlichkeitstypen

Susan Graul von Good Stories Better Business und fragte mich neulich, wie ich Storytelling in meinem Business einsetze. Ich teilte meine Schlüsselstory mit ihr, mit welcher mein Studium der Persönlichkeitstypen begann. Und wir sprachen über das Anlegen einer „Storybank“, Über-Mich-Seiten, und wie man bereits mit 3 Bildern eine Story erzählen kann.

Susan weiß, dass der rote Faden, der sich durch mein Business zieht, „Beziehungen“ sind. Ich beschäftige mich seit über 20 Jahren mit dem Aufbau und der Verbesserung von Beziehungen – ob das Beziehungen zwischen Chefs und Mitarbeitern sind, zwischen Selbständigen und ihren Kunden und Followern, zwischen Businesspartnern, (ja, manchmal auch Ehepartnern ;)), und (sieheLovember) natürlich auch die Beziehung, die wir mit uns selbst haben.

Sie wollte wissen, woher das kommt. Und wieso ich mich so sehr mit Persönlichkeitstypen beschäftige, dass ich darüber Workshops gebe und jetzt sogar ein Buch geschrieben habe. Gab es da mal ein Schlüsselerlebnis? Ja, das gab es tatsächlich…

Decor 1990 arbeitete ich als Teenager in meinem ersten Angestellten-Job auf dem Arbeitsamt in Jena. Es gab, bevor die Mauer fiel, in der DDR keine Arbeitsämter, da es keine Arbeitslosigkeit gab. Unzählige Menschen hatten mit der Wende gerade ihre Jobs verloren. Sie hatten ihr Leben lang hart gearbeitet, und waren nun total im Schock – arbeits- und identitätslos, und mussten bei mir – einem Teenager! – um Geld bitten.

Eines Tages kam ein großer, wütender Bauarbeiter in mein Büro, funkelnde mich mit nach-Streit-suchenden Augen an und knurrte zwischen den Zähnen hervor, „Wenn Sie mich noch in EIN weiteres Büro schicken, dann schlag ich Sie zusammen!“

Und ich 18-jähriges junges Ding blieb aus irgendeinem Grund total ruhig. Intuition? Überlebensstrategie? Keine Ahnung. Aber ich wusste, wie er sich fühlte. Ich wusste, wenn ich von einem Büro zum andern geschickt werden würde und immer an der falschen Adresse war, wäre ich irgendwann auch nicht mehr happy.

Also versicherte ich ihm ruhig und sachlich, dass ich ihm jetzt helfen würde. Ich entschuldigte mich dafür, dass er hin- und hergeschickt wurde, auch wenn es nicht mein persönlicher Fehler war. Ich konnte mein Ego beiseite schieben und einfach nur für ihn da sein. Vielleicht sah ich auch tatsächlich diese Riesenverletzung hinter seiner furchterregenden Fassade, die einfach nur Mitgefühl und Aufmerksamkeit brauchte.

Es war klar, dass er „überall nur nicht hier“ sein wollte. Er fühlte sich auch total unsicher, in diesem „Amt“ wo er ziellos umherlief. Er war Experte im Häuser- und Straßenbauen. Das war sein Metier. So kannte er sich. Aber Anträge ausfüllen? Bürokratie verstehen? Auf andere angewiesen sein? Das war einfach nicht ER. Und das verursachte ihm extremen Stress.

Zuerst versicherte ich ihm also, dass er nun hier RICHTIG war. Er war im richtigen Büro. Endlich! Dann erklärte ich ihm alle weiteren Schritte und wie lange sie dauern würden, und dass wir sie ZUSAMMEN machen würden. Dann sagte ich ihm, dass ich ihn danach leider doch noch in ein weiteres Zimmer schicken musste, aber dass ich ihn dahin bringen und persönlich abliefern würde, um weitere Wartezeiten zu verhindern.

Er beruhigte sich praktisch nach meinem ersten Satz: „Sie sind jetzt hier richtig.“ Er hatte jetzt einen „Plan“. Er fühlte sich wieder mehr in Kontrolle. Er wusste, was die weiteren Schritte waren, und konnte einschätzen, wann er hier wieder raus sein würde. Er fühlte sich gesehen, ernstgenommen und respektiert.

Nachdem ich ihn später im Büro meiner Kollegin abgeliefert hatte, gab er mir die Hand, schaute mir in die Augen und sagte, „VIELEN DANK!“ Ich konnte sehen, wie tief das von Herzen kam und wie er eigentlich sagte, „Endlich hat sich jemand meiner angenommen. Endlich hat mir mal jemand zugehört!“ Das hat mich tief beeindruckt. Denn das Gefühl nicht erhört zu werden kannte ich selbst aus meiner Kindheit nur zu gut.

Wir alle kennen das wahrscheinlich, wenn wir uns nicht ernstgenommen, nicht geliebt, oder nicht erhört fühlen. Unser menschliches Grundbedürfnis ist „wahrgenommen zu werden“. In welcher Form auch immer. Wir wollen geliebt, gehört, wertgeschätzt, berücksichtigt, respektiert und akzeptiert werden. Wir brauchen die Bestätigung unseres Gegenübers, der sagt, „Ich sehe Dich. Du bist da!“

Der Bauarbeiter wollte einfach so schnell wie möglich „hier raus“. Die nächste Person, die vor mir saß, war eine ältere Frau, die vor mir in Tränen ausbrach und einen Nervenzusammenbruch hatte. Hätte ich zu ihr gesagt, „In fünf Minuten sind sie hier wieder raus!“ wäre das genau das Falsche gewesen. DerBauarbeiter fühlte sich dadurch endlich ernstgenommen, aber sie hätte sich dadurch weggestoßen gefühlt. Sie brauchte von mir Geduld und Verständnis für ihre Situation. Und eine Packung Taschentücher…

Decor

Obwohl mir die Persönlichkeitstypen erst ca. 10 Jahre später begegneten, war mir damals schon bewusst, dass der Bauarbeiter und diese Frau 100% das Gegenteil von einander waren und ich daher auch jeweils 100% anders mit ihnen kommunizieren musste. Obwohl sie beide von mir genau dasselbe wollten: wahrgenommen werden.

Das hat mir ein unheimlich gutes Sprungbrett für meine weitere Karriere gegeben – ich wurde durch meine Kommunikationsfähigkeiten zu einem besseren Verkäufer, Trainer, Kundenbetreuer, Zuhörer, Beobachter und später auch Coach und Marketer.

Inzwischen sind mir die Persönlichkeitstypen so vertraut, dass ich die Partner/Klienten/Chefs meiner Kunden oder Freunde oft schon „aus der Ferne“ einschätzen kann, und sie dann Dinge sagen höre, wie,

  • „Woher weißt Du das, Du hast doch nur 5min mit ihr im Auto gesessen?“
  • „Was? Das erkennst Du nur anhand einer whatsapp message von ihm??“
  • „Kannst Du hellsehen? Du hast sie doch noch nicht einmal getroffen!“

Nein, ich kann nicht hellsehen. Aber Muster erkennen. Und das kannst Du auch ganz leicht, wenn Du Dich mit dem Thema etwas beschäftigst. Vielleicht ist ja mein neuer Onlinekurs über Persönlichkeitstypen und Menschenkenntnis etwas für Dich. Hier kannst Du mehr Informationen darüber erhalten. 

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